Point-of-Care-Diagnostik, kurz POCT, beschreibt Untersuchungen, deren Ergebnisse in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Patienten verfügbar sind. In der Dermatologie kann eine patientennahe molekulare Diagnostik helfen, objektive biologische Messwerte direkt in den Versorgungsablauf einzubinden. Entscheidend sind dabei eine klar definierte Anwendung, zuverlässige Prozesse und die fachgerechte Einordnung der Resultate.

Was ist Point-of-Care-Diagnostik?

Bei der Point-of-Care-Diagnostik wird eine Untersuchung nicht über den üblichen Weg an ein Zentrallabor ausgelagert, sondern am Ort der Versorgung durchgeführt, etwa in einer Praxis, Ambulanz, Notaufnahme oder auf Station. Ziel ist es, relevante Messwerte ohne lange Transport- und Bearbeitungswege verfügbar zu machen.

Typische POCT-Anwendungen sind beispielsweise Blutzucker-, Blutgas-, Gerinnungs- oder Infektionsdiagnostik. Je nach Verfahren kommen Teststreifen, Testkassetten oder automatisierte Analysesysteme zum Einsatz. Ein Point-of-Care-Test ist jedoch nicht allein dadurch definiert, dass er räumlich nahe am Patienten erfolgt: Auch Probenmaterial, Reagenzienkonzept, Bedienung, Qualitätskontrolle und Ergebnisdokumentation sind wesentlich.

Potenzial der POCT-Diagnostik in der Dermatologie

Entzündliche Hauterkrankungen können sich klinisch und histopathologisch überschneiden. Dies gilt beispielsweise für die Differenzialdiagnose von Psoriasis und Ekzemen. Molekulare Verfahren können hier die Messung ausgewählter Genexpressions-Biomarker ermöglichen und damit objektive molekulare Ergebnisse für die diagnostische Beurteilung liefern.

Für eine praxisnahe Anwendung sind insbesondere kurze, klar strukturierte Workflows wichtig. Ein geeignetes Point-of-Care-System sollte die Schritte von der Probe bis zum Ergebnis möglichst weitgehend automatisieren, den manuellen Aufwand begrenzen und eine nachvollziehbare Dokumentation ermöglichen. Molekulare Ergebnisse werden dabei stets im klinischen und gegebenenfalls histopathologischen Kontext interpretiert. Beispielhaffte POC-Anwendungsfälle sind der Dermagnostix Analyzer und anwendungsspezifische Disks.

Welche Anforderungen gelten für Point-of-Care-Testing?

Die schnelle Verfügbarkeit eines Ergebnisses ersetzt keine qualitätsgesicherte Diagnostik. Vor dem Einsatz eines POCT-Verfahrens müssen Verantwortlichkeiten, Schulungen, interne Qualitätskontrollen und die sichere Zuordnung von Probe, Patient und Ergebnis geregelt sein. Für medizinische Laboruntersuchungen gelten in Deutschland insbesondere die Anforderungen der Rili-BÄK sowie die jeweiligen Vorgaben für Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika.

  • Geeignete Probenentnahme: Präanalytische Einflüsse können die Aussagekraft eines Messergebnisses beeinträchtigen.
  • Standardisierte Durchführung: Anwender benötigen klare Arbeitsanweisungen und produktspezifische Einweisungen.
  • Qualitätskontrolle: Gerätefunktion, Reagenzien und Kontrollmessungen müssen entsprechend dem vorgesehenen Verfahren überwacht werden.
  • Dokumentation und Datenintegration: Ergebnisse müssen eindeutig zuordenbar, verfügbar und datenschutzkonform verarbeitet werden.
  • Fachliche Bewertung: Das Ergebnis eines Einzeltests ist im Gesamtbild aus Anamnese, Klinik, Histopathologie und weiteren Befunden zu bewerten.

Molekulare Point-of-Care-Diagnostik bei Dermagnostix

Dermagnostix entwickelt automatisierte molekulare Systeme für die Dermatologie und Dermatopathologie.

Mit der DermDisk-Produktlinie verfolgt Dermagnostix die Entwicklung einer künftigen Point-of-Care-Anwendung für dermatologische Praxen. Sie soll eine molekulare Untersuchung von Psoriasis und Ekzem auf Basis minimalinvasiv gewonnener oberflächlicher Hautproben ermöglichen.

Das Konzept basiert auf einem kompakten Analyzer und Einwegdisks mit automatisiertem Ablauf. Angestrebt ist ein Workflow von der Probe bis zum Ergebnis innerhalb von etwa ein bis zwei Stunden, damit molekulare Messwerte perspektivisch in den Praxisablauf eingebunden werden können. Weitere Informationen bietet die LabDisk-Technologie.

Für praxisbezogene Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Wenn Sie die geplante Point-of-Care-Lösung kennenlernen möchten, können Sie eine Demo buchen. Für individuelle Fragen nutzen Sie bitte den Kontakt.

Häufige Fragen zur Point-of-Care-Diagnostik

Was versteht man unter Point of Care?

„Point of Care“ bezeichnet den Ort der unmittelbaren Patientenversorgung. Point-of-Care-Testing umfasst diagnostische Untersuchungen, die dort oder in unmittelbarer Nähe durchgeführt werden, sodass Ergebnisse zeitnah für die medizinische Beurteilung vorliegen können.

Was ist POCT-Diagnostik?

POCT-Diagnostik ist die Abkürzung für Point-of-Care-Testing. Gemeint sind standardisierte diagnostische Tests außerhalb eines zentralen Laborprozesses, beispielsweise in einer Praxis, auf einer Station oder in einer Notaufnahme.

Was ist ein Point-of-Care-Blutbild?

Ein Point-of-Care-Blutbild ist eine patientennahe Bestimmung ausgewählter Blutparameter mit einem dafür vorgesehenen Analysesystem. Welche Parameter gemessen werden können und ob ein Verfahren für den jeweiligen Einsatz geeignet ist, hängt vom konkreten System und dessen Zweckbestimmung ab.

Welche Nachteile kann POCT haben?

POCT stellt hohe Anforderungen an Schulung, Qualitätsmanagement und Dokumentation. Fehler bei Probenentnahme, Bedienung oder Ergebniszuordnung können die Messung beeinflussen. Zudem ist nicht jede Laboruntersuchung für eine patientennahe Durchführung geeignet. Deshalb müssen Auswahl und Einsatz eines POCT-Systems immer zum klinischen Bedarf und zum vorhandenen Qualitätsprozess passen.