Die Histologie der Psoriasis zeigt ein charakteristisches psoriasiformes Reaktionsmuster der Epidermis mit Veränderungen der Verhornung, der Gefäße und des Entzündungsinfiltrats. In der Routine wird der histologische Befund stets gemeinsam mit Klinik, Lokalisation, Krankheitsstadium und gegebenenfalls weiteren Untersuchungen beurteilt. Besonders bei Überlappungen mit Ekzemen kann diese integrierte Bewertung entscheidend sein. Einen kompakten Überblick liefert die Seite Dermatopathologie.
Typische histologische Merkmale der Psoriasis
Das klassische Bild einer Psoriasis vulgaris ist regelmäßig aufgebaut und betrifft vor allem die Epidermis sowie die oberflächliche Dermis. Nicht jede Läsion weist alle Zeichen gleich deutlich auf: Frühveränderungen, behandelte Plaques und besondere Lokalisationen können das Muster verändern.
- Regelmäßige psoriasiforme Akanthose: Die Epidermis ist verbreitert. Die Reteleisten sind meist gleichmäßig verlängert und verbreitert.
- Suprapapilläre Verdünnung: Über den dermalen Papillen ist die Epidermis deutlich verschmälert. Diese dünnen Bereiche liegen über oberflächlichen Gefäßen und erklären das punktförmige Bluten beim Auspitz-Phänomen.
- Parakeratose: In der verdickten Hornschicht bleiben Zellkerne erhalten. Sie spiegelt die beschleunigte und gestörte Differenzierung der Keratinozyten wider.
- Vermindertes oder fehlendes Stratum granulosum: Die Körnerzellschicht ist besonders unter parakeratotischen Arealen fokal stark reduziert oder nicht nachweisbar.
- Neutrophile Granulozyten: Neutrophile in der Hornschicht bilden Munro-Mikroabszesse. Ansammlungen neutrophiler Granulozyten in der oberen Epidermis werden als spongiforme Pusteln von Kogoj bezeichnet und sind vor allem bei pustulösen Ausprägungen relevant.
- Gefäß- und Entzündungsreaktion: Die Kapillaren in den verlängerten dermalen Papillen sind erweitert und geschlängelt. Begleitend findet sich ein überwiegend oberflächlich perivaskuläres lymphozytäres Infiltrat, häufig mit neutrophilen Granulozyten.
Wie entsteht das histologische Muster?
Psoriasis ist durch eine immunvermittelte Aktivierung von Entzündungswegen und eine erhöhte Proliferation von Keratinozyten geprägt. Die beschleunigte epidermale Erneuerung führt dazu, dass die Verhornung unvollständig bleibt: Es entsteht Parakeratose, während die Granularschicht zurücktritt. Chemotaktische Signale fördern zudem die Einwanderung neutrophiler Granulozyten in Epidermis und Hornschicht.
Die epidermale Hyperplasie, die verlängerten Papillen und die oberflächlichen Gefäßveränderungen bilden zusammen das typische mikroskopische Korrelat der klinisch sichtbaren, scharf begrenzten erythematosquamösen Plaque.
Psoriasis histologisch vom Ekzem abgrenzen
Die Abgrenzung von Psoriasis und chronischem Ekzem kann klinisch und histologisch anspruchsvoll sein. Während die Psoriasis typischerweise eine regelmäßige psoriasiforme Akanthose, Parakeratose und neutrophile Granulozyten zeigt, steht beim Ekzem häufig die Spongiose im Vordergrund. Die Reteleisten sind beim Ekzem eher unregelmäßig und plump, das Stratum granulosum bleibt meist erhalten oder ist verdickt.
Diese Kriterien sind jedoch keine starre Checkliste. Bei chronischen, irritierten, sekundär veränderten oder vorbehandelten Läsionen können sich Muster überschneiden. Auch Dermatophytosen, Arzneimittelreaktionen und andere psoriasiforme Dermatosen gehören je nach klinischer Konstellation in die histologische Differenzialdiagnose. Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion kann beispielsweise eine PAS-Färbung zum Nachweis von Pilzelementen im Stratum corneum beitragen. Weiterführende wissenschaftliche Hintergründe und Evidenz finden Sie in unseren Publikationen.
Stellenwert der molekularen Diagnostik bei überlappender Histologie
Wenn die konventionelle Histologie keine eindeutige Zuordnung zwischen Psoriasis und Ekzem erlaubt, kann eine molekulare Untersuchung objektive Ergebnisse für die diagnostische Einordnung liefern. Der PsorX-LabDisk ist ein CE-IVD-Test für FFPE-Hautbiopsien und erfasst mittels RT-qPCR die Genexpression von NOS2 und CCL27. Das Ergebnis beschreibt die Wahrscheinlichkeit einer molekularen Signatur für Psoriasis im Vergleich zu Ekzem. Weitere Informationen bietet PsorX – molekulare Diagnostik bei Psoriasis.
Für histopathologische Diagnostik und spezialisierte Labordienstleistungen stehen unsere Partnerlabore zur Verfügung.
Die Verarbeitung erfolgt auf dem LabDisk-Analyzer in einem automatisierten Workflow. Molekulare Testergebnisse werden dabei im klinischen und histopathologischen Kontext interpretiert und sind nicht als alleinige Grundlage für Diagnose- oder Therapieentscheidungen vorgesehen. Vertiefende Inhalte und Fallbeispiele bieten unsere Webinare.
Frequently asked questions
Wie wird Psoriasis diagnostiziert?
Die Diagnose basiert in vielen Fällen auf dem klinischen Erscheinungsbild. Bei atypischen oder therapieresistenten Hautveränderungen kann eine Hautbiopsie mit histopathologischer Untersuchung sinnvoll sein. Bestehen trotz klinischer und histologischer Bewertung Abgrenzungsprobleme, kann eine validierte molekulare Untersuchung aus geeignetem Biopsiematerial in die Gesamtbeurteilung einbezogen werden. Fachpersonen finden praxisnahe Hinweise zur Integration in den klinischen Alltag unter Für Dermatologinnen und Dermatologen.
Sind Munro-Mikroabszesse beweisend für Psoriasis?
Munro-Mikroabszesse sind ein typischer und hilfreicher Befund, aber nicht isoliert beweisend. Ihre diagnostische Aussage ergibt sich aus dem Gesamtmuster mit Parakeratose, regelmäßiger Akanthose, verminderter Granularschicht, Gefäßveränderungen und klinischer Korrelation.
Warum kann ein Psoriasis-Befund histologisch einem Ekzem ähneln?
Frühe, behandelte oder durch Kratzen veränderte Läsionen können klassische Merkmale abschwächen. Umgekehrt können chronische Ekzeme eine deutliche Akanthose entwickeln. Deshalb beurteilt die Dermatopathologie nicht einzelne Kriterien, sondern Architektur, Entzündungszellmuster, Verhornung, Spezialfärbungen und die klinischen Angaben gemeinsam.