Spongiose bezeichnet in der Histologie ein interzelluläres Ödem der Epidermis. Mikroskopisch wirkt das Epithel dadurch schwammartig, weil Keratinozyten auseinanderweichen, während die Zellverbindungen zunächst bestehen bleiben. Der Befund ist typisch für spongiotische, besonders ekzematöse Dermatitiden, stellt für sich allein aber keine Diagnose dar. Entscheidend ist immer die Einordnung zusammen mit Klinik, Anamnese und dem übrigen histopathologischen Muster. Siehe auch: Dermatopathologische Diagnostik.

Typische mikroskopische Merkmale

Die spongiöse Veränderung betrifft vor allem die Epidermis, kann aber auch im Follikelepithel erkennbar sein. Histologisch stehen verbreiterte Interzellularräume, gedehnte Interzellularbrücken und ein entzündlicher Zellübertritt in die Epidermis im Vordergrund. Das genaue Bild hängt stark vom Stadium ab und reicht von diskreten Frühveränderungen bis zu vesikulären oder chronisch lichenifizierten Mustern. Bei der histologischen Aufarbeitung von formalinfixiertem, paraffineeingebettetem (FFPE) Gewebe unterstützen entsprechende FFPE-Workflows im Labor.

Frühe Spongiose

Im Frühstadium ist das Ödem oft noch dezent. Keratinozyten erscheinen leicht auseinandergedrängt, die Interzellularbrücken sind betont sichtbar und können gespannt oder zugespitzt wirken. Ohne klinischen Kontext kann dieser Befund leicht übersehen oder als unspezifische Reaktion gewertet werden.

Fortgeschrittene Spongiose

Mit zunehmender Ausprägung werden die Zellzwischenräume weiter, die Epidermis lockert sich sichtbar auf und es können kleine intraepidermale Vesikel entstehen. Typisch ist, dass die Brücken zwischen den Keratinozyten trotz Ödem teilweise erhalten bleiben. Häufig finden sich zugleich entzündliche Zellen in der Epidermis, was die differenzialdiagnostische Einordnung weiter schärft.

Chronische Spongiose

Bei länger bestehender Entzündung dominiert nicht mehr zwingend das vesikuläre Bild. Stattdessen treten Akanthose, elongierte Reteleisten und oft auch Parakeratose in den Vordergrund. Exkoriationen oder oberflächliche Erosionen können das Präparat zusätzlich prägen. In chronischen Stadien kann die Spongiose deshalb subtiler erscheinen, obwohl weiterhin ein ekzematöses Reaktionsmuster vorliegt.

Bei welchen Erkrankungen kommt Spongiose vor?

Am häufigsten findet sich Spongiose bei ekzematösen Dermatosen, etwa beim atopischen Ekzem, allergischen oder irritativen Kontaktekzem, dyshidrotischen Ekzem, nummulären Ekzem und seborrhoischen Ekzem. Sie kann auch bei pityriasis rosea, erythema annulare centrifugum, einzelnen bullösen Autoimmundermatosen sowie in bestimmten psoriasiformen oder lymphoproliferativen Zusammenhängen auftreten. Der Befund ist daher reaktionsbezogen und nicht krankheitsspezifisch.

Wie wird ein Spongiose-Befund eingeordnet?

Die diagnostische Bewertung erfolgt auf Basis der Biopsie und des gesamten histologischen Musters. Wichtig sind Verteilung, Ausmaß, Begleitbefunde wie Parakeratose oder Vesikelbildung und der vorherrschende Entzündungszelltyp. Lymphozytäre Spongiose passt häufig zu ekzematösen Prozessen, eosinophile Spongiose kann bei bullösen Dermatosen oder Arthropodenreaktionen vorkommen, neutrophile Spongiose unter anderem bei psoriasisnahen Mustern. Bei definierten Fragestellungen können molekulare Analysen zusätzliche objektive molekulare Informationen liefern. Diese werden gemeinsam mit klinischen und histopathologischen Befunden eingeordnet. Für standardisierte Auswertungsschritte im Labor steht das Analysegerät zur Verfügung.

Histopathologie beschreibt das morphologische Reaktionsmuster. Die Analyse der Genexpression von Biomarkern kann bei definierten Fragestellungen eine zusätzliche molekulare Informationsebene eröffnen und so das biologische Verständnis des untersuchten Hautgewebes erweitern. Weiterführende Literatur finden Sie unter Publikationen.

Frequently asked questions

Was bedeutet Spongiose?

Spongiose bedeutet, dass sich Flüssigkeit zwischen epidermalen Epithelzellen ansammelt. Dadurch entstehen verbreiterte Zellzwischenräume und ein schwammartiges mikroskopisches Bild.

Was sind die Ursachen für spongiotische Dermatitis?

Häufige Ursachen sind entzündliche und irritative Reize, vor allem Ekzeme, allergische Reaktionen, Kontaktreaktionen auf Chemikalien oder Pflegeprodukte sowie weitere entzündliche Dermatosen.

Wie zeigt sich das klinische Bild eines Ekzems?

Klinisch stehen meist Rötung, Juckreiz, Schuppung und je nach Stadium Papeln, Nässen, Krusten oder Lichenifikation im Vordergrund. Histologisch kann dazu eine Spongiose passen.

Was ist spongiotische psoriasiforme Dermatitis?

Damit ist ein Entzündungsmuster gemeint, das sowohl spongiotische als auch psoriasiforme Merkmale zeigt. Solche Mischbilder erfordern eine besonders sorgfältige Korrelation von Histologie, Klinik und weiteren diagnostischen Befunden.