Wie lassen sich molekulare Informationen in den dermatologischen Praxisalltag integrieren? Und welchen Mehrwert können sie für Ärzte und Patienten bieten?

Darüber und über viele anderen Themen haben wir mit der Dermatologin Daniela Uribe Holmgren gesprochen. Sie kennt molekulare Analysen und deren Integration in den dermatologischen Praxisalltag aus eigener Erfahrung. Im Gespräch erklärt sie, wie sie diagnostische Informationen zusammenführt, welchen zusätzlichen Blick molekulare Informationen eröffnen können und welche Entwicklung sie für die Dermatologie erwartet.

Molekulare Dermatologie. Dermatologin Daniela Uribe Holmgren.

Für Daniela Uribe Holmgren beginnt die diagnostische Einordnung mit der sorgfältigen Betrachtung des klinischen Bildes.

„Als Erstes steht für mich immer die klinische Untersuchung im Vordergrund. Ich schaue mir die Hautveränderungen sehr genau an: Morphologie, Schuppung, Begrenzung, Verteilung und Lokalisation sind wichtige Hinweise.“

Ebenso wichtig seien die Anamnese, der zeitliche Verlauf, Juckreiz oder Schmerzen sowie mögliche Trigger. Je nach Fragestellung ergänzt sie diese Informationen beispielsweise durch Dermatoskopie, Abstriche, Laboruntersuchungen oder eine Hautbiopsie mit Histologie.Für sie ist dabei vor allem eines entscheidend: die verschiedenen Informationen zusammenzuführen.

Gerade entzündliche Hauterkrankungen können sich in ihren klinischen Merkmalen überschneiden. Zu den häufigen Fragestellungen in ihrem Praxisalltag gehören beispielsweise die Unterscheidung von Psoriasis, Ekzemen, allergischer Kontaktdermatitis, Pilzerkrankungen und anderen entzündlichen Dermatosen. Auch eine vorausgegangene Behandlung kann das klinische Erscheinungsbild verändern.

Für Uribe Holmgren liegt der interessante Aspekt molekularer Diagnostik darin, eine weitere Perspektive auf die Erkrankung zu erhalten.

„Das klinische Bild zeigt uns letztlich, wie sich die Erkrankung präsentiert. Molekulare Untersuchungen können dagegen Informationen über die biologischen Prozesse liefern, die hinter diesem Erscheinungsbild stehen.“

Zwei Hauterkrankungen können sich äußerlich ähneln und dennoch unterschiedliche molekulare Signaturen aufweisen. Die Analyse der Genexpression von Biomarkern ermöglicht es, definierte biologische Merkmale einer Hautprobe zu erfassen und damit zusätzliche objektive molekulare Informationen zu gewinnen.

Uribe Holmgren bringt diese zusätzliche Perspektive auf einen einfachen Punkt:„Für mich ist genau das der interessante Punkt: Die Molekulardiagnostik schaut gewissermaßen eine Ebene tiefer.“

Molekulare Informationen stehen dabei nicht isoliert. Für Uribe Holmgren ergänzen sie die klinische Beurteilung und werden gemeinsam mit den weiteren verfügbaren Informationen betrachtet.

Eine zentrale Frage für neue diagnostische Technologien lautet: Wie aufwendig ist ihre Anwendung im Versorgungsalltag? Uribe Holmgrens Erfahrung fällt positiv aus: „Aus meiner Sicht war die Integration relativ unkompliziert.“

Bei der von ihr eingesetzten Dermagnostix Technologie wird Hautmaterial minimalinvasiv gewonnen und anschließend direkt in der Praxis molekular analysiert. Der kompakte Dermagnostix Analyzer übernimmt den molekularen Analyseprozess vollautomatisch. Innerhalb von rund zwei Stunden stehen Informationen zur Genexpression der untersuchten Biomarker zur Verfügung. Damit können molekulare Informationen dort verfügbar werden, wo auch die Patientenversorgung stattfindet.

Auch für Patienten ist der molekulare Blick auf Hauterkrankungen zunächst neu. Uribe Holmgren erlebt deshalb häufig Fragen dazu, warum neben der Untersuchung der Haut weitere Informationen sinnvoll sein können. Ihre Erklärung setzt bei einem einfachen Prinzip an: Unterschiedliche Hauterkrankungen können äußerlich ähnlich aussehen, während dahinter unterschiedliche biologische Prozesse stehen können. Molekulare Diagnostik ermöglicht es, genau diese Ebene zusätzlich zu betrachten.

Gehören molekulare Informationen künftig selbstverständlich zur Dermatologie?

Uribe Holmgren geht davon aus, dass molekulare Diagnostik künftig eine größere Rolle in der dermatologischen Praxis spielen wird. „Die Dermatologie entwickelt sich zunehmend in Richtung einer präziseren und stärker individualisierten Diagnostik.“. Für Dermagnostix ist diese Entwicklung Teil einer größeren Vision: Molekulare Informationen sollen zu einem selbstverständlichen Bestandteil moderner dermatologischer Diagnostik werden.

Nicht anstelle klinischer Expertise oder Histopathologie, sondern gemeinsam mit ihnen.

So entsteht eine Dermatologie, die Hauterkrankungen nicht nur anhand ihres Erscheinungsbildes beurteilt, sondern zunehmend auch ihre molekulare Biologie in den diagnostischen Denkprozess einbezieht.

Daniela Uribe Holmgren
Fachärztin für Dermatologie, Hautarzt D.Uribe Holmgren, Marktstraße 8, 36037 Fulda.
Im Interview mit Dermagnostix